Donnerstag, 29. März 2012

Woche Nr. 4 und 5 in Curitiba

Mit Katrin in einem der vielen Cafés


Der Aussichtsturm






Rua 15 de Novembro- die Einkaufsstraße


Zeit sich wieder zurück zu melden. Hier wird es so langsam kalt. Ich denke die Sandalen werden jetzt dann wohl in der hinteren Ecke meines Schrankes verschwinden. Der Winter fängt an. Den Eindruck hat man zumindest, wenn man morgens aus dem Haus geht und abends wieder zurückkehrt. Hier erlebe ich alle Jahreszeiten an einem Tag. Von bewölkten polarkalten Winden geprägten 8°C am Morgen über sonnige 25°C nach dem Mittagessen und eisigen 5°C am Abend. Es ist nicht sonderlich schwer sich meinen Enthusiasmus vorzustellen, den ich verspüre wenn ich daran denke, dass es hier im richtigen Winter keine Heizungen gibt. Die erste böse Erkältung hat mich jetzt schon erwischt.
Die kann mich jedoch nicht davon abhalten mich hier in Curitiba trotzdem so richtig wohl zu fühlen. Vergangenes Wochenende habe ich gemeinsam mit Laura einen kleinen Ausflug zu dem Aussichtsturm von Curitiba gemacht. Nachdem wir herausgefunden hatten, welcher der vielen Busse uns dort abliefert ging es also los. Laut Auskunft der netten Dame würde uns der Bus direkt vor dem Turm rauslassen und wir saßen im Bus und saßen im Bus und saßen im Bus. Den Turm sahen wir dann auch, allerdings fuhren wir immer weiter von ihm weg, anstatt näher an ihn heranzufahren. Der Bus wurde immer leerer und spätestens in diesem Moment erkannten wir, dass uns der Bus doch nicht „…direkt vor dem Aussichtsturm“ herauslassen würde. In dem Viertel in dem wir ankamen sahen wir etwas so groteskes, dass wir zuerst dachten unsere Augen würden uns einen Streich spielen. Wir sahen zwei Häuser, das ist auch nichts besonderes, Häuser gibt’s hier viele. Das eine ein geklinkertes rotes Haus, das man auch irgendwo in Norddeutschland finden könnten, auf der anderen Seite ein einfaches kaputtes Holzhaus, das aber auch bewohnt war. Hier in Brasilien findet man beides, das ist nicht Neues, das groteske war nur, dass die Häuser direkt nebeneinander standen. Nur eine Mauer mit elektrischem Zaun trennte die Häuser voneinander. Wenn man daraus ein Fazit ziehen möchte, dann würde ich dies wohl als brasilianische Realität bezeichnen. Schon alleine aus diesem Grund war es gut, dass der Bus uns nicht dahin gebracht hatte, wo wir eigentlich hinwollten. Denn wenn immer alles klappt, dann gäbe es auch keine Überraschungen oder spannende Erlebnisse wie dieses.
So ging es also mit dem Bus wieder zurück bis zu dem Moment in dem wir den Turm wieder sahen, zwar in einiger Entfernung, zu Fuß aber machbar. Der Ausblick von dort oben war gigantisch. Auf der einen Seite das Zentrum und die darum herumliegenden Viertel mit Hochhäusern, auf der anderen Seite die etwas weiter außerhalb liegenden Viertel die von Einfamilienhäusern geprägt sind. Danach ging es wieder zurück ins Zentrum wo wir noch über den Ostermarkt schlenderten. Dort werden allerhand extrem kitschige, schon fast ins hässliche neigende Geschenkartikel verkauft. Wenn man sich Zeit nimmt, kann man aber doch auch das ein oder andere schöne Werkstück finden.
Gestern hat hier in Curitiba das Theaterfestival angefangen, das ein tolles, meist kostenloses Programm anbietet. Laura und ich werden uns sicherlich die eine oder andere Aufführung auf einem der vielen Plätze hier in Curitiba ansehen.
Achso ja, erwähnen sollte ich ja vielleicht auf alle Fälle noch die Uni. Wir stehen weiterhin früh auf um dann um halb acht auch wirklich an der Uni zu sein. Einen Kurs belege ich auch abends, dass heißt von 19-22 Uhr. Daran musste ich mich auch erst einmal gewöhnen. Die Kurse werden nämlich entweder morgens oder abends angeboten, denn die meisten Studenten arbeiten hier tagsüber und haben dann erst am Abend Zeit zu studieren.
Kurz beschreiben möchte ich hier den Ablauf eines Kurses. Anders als in Deutschland dauert ein Fach hier nicht 90 Minuten sondern 3-4 Stunden, es sitzen nicht 300 Leute in einem Raum, sondern nur 30, man sitzt nicht nur da und schreibt mit, sondern fühlt sich eher in die Schulzeit zurückversetzt. Wer jetzt denken mag, oh mein Gott 4 Stunden, das muss dann ja ganz schön viel Stoff sein, den man durchnimmt, der hat sich getäuscht. Zusammenfassend würde ich es wagen zu sagen, dass das was uns die Professorin in 4 Stunden erklärt hat, uns ein Professor in Deutschland in 90 Minuten eingetrichtert hätte. Ich muss zugeben, dass ich doch hin und wieder da sitze und denke: ein bisschen effizienter könnte der Unterricht doch auf alle Fälle sein und Pädagogik ist ja schön und gut, aber müssen Studenten mit 23 Jahren noch so an der Hand geführt werden? Meiner Meinung nach hat selbstständiges Lernen noch niemandem geschadet. Aber das ist nun mal das System hier in Brasilien und es hat ja auch viele gute Seiten, es gibt mehr interaktives Arbeiten, wir sitzen in Gruppen zusammen und der Stoff verliert so ein Stück weit Komplexität, weil er innerhalb der Gruppe auf Beispiele aus dem Alltag herunter gebrochen wird und der Praxisbezug hier dadurch vielleicht größer ist als in Deutschland.
Dies alles sehe ich nicht als Kritik. Es ist einfach anders hier. Einige Dinge, die mich im ersten Moment verwundern und die ich nicht verstehe, die ich im ersten Moment vielleicht sogar als völlig schwachsinnige empfinde, beweisen sich im nächsten Moment dann als logisch. Es mag vielleicht eine andere Logik sein, als die meinige, aber es hat seinen Sinn. Nichts ist schlimmer, als zu denken, die müssen nur was von uns lernen. Nein wir können was von Ihnen lernen. Man muss sich nur auf dieses Abenteuer einlassen und einige Dinge einfach so hinnehmen, mit der Gewissheit, dass man die Logik dahinter irgendwann hoffentlich verstehen wird.
Bezüglich des Einkaufens im Supermarkt stellt man sich jedoch dann doch die Frage ob es so sinnvoll ist wie es hier gehandhabt wird. Denn effizientes Arbeiten an der Kasse kennt man hier im Supermarkt eher nicht (Obwohl Effizienz in vielen Bereichen doch sicherlich in Deutschland einen anderen Stellenwert hat als hier, und man wenn man es nicht eilig hat, sicherlich auch nette Gespräche mit anderen Wartenden haben kann). Die Schlange geht gerne mal durch den ganzen Supermarkt und da steht man da dann zwanzig Minuten in der Schlange und fragt sich wieso. Die Antwort ist einfach. Die Kassiererin kassiert nicht nur, sondern verpackt die Produkte dann auch alle noch in kleine Plastiktüten. Das dauert, denn in so eine Plastiktüte passen dann vielleicht 3-4 Artikel und dann muss die nächste Tüte her. Nach unserem ersten Einkauf und 15 Plastiktüten mehr zu Hause, fiel die Entscheidung beim nächsten Einkauf dann auf die Mitnahme von auf zwei große Jutebeutel.
Das war es erstmal wieder!
Genießt den Frühling in Deutschland und dem Rest der Welt….

Um abraço,
eure Sabeth

Montag, 19. März 2012

Woche Nr. 3 in Curitiba




Mal wieder sind wir hundemüde und machen gerade ein kleines Mittagsschläfchen. Das Wetter macht uns hier unglaublich müde….Erst 3 Wochen lang unentwegt Sonne und dann letzten Donnerstag das erste Mal Regen, und dann natürlich gleich ein unglaublicher Guß und grauer Himmel über Curitiba. Wobei jetzt gerade wieder die Sonne in unser Zimmer reinscheint…Wie schön!!!
In der vergangenen Woche hat die Uni nun wirklich endgültig angefangen.
Bis auf eine Anthropologievorlesung, die sehr philosophisch und weniger kulturwissenschaftliche ausgerichtet ist, gefallen uns die Kurse hier sehr gut. In unserem Marketingkurs wurden wir sehr lieb empfangen. Allesamt Erstsemester in diesem Kurs, war die erste Stunde eher eine kleine Party, mit einer nur kurzen Einführung durch die Dozentin.
Ansonsten war diese Woche nicht so spektakulär, wir haben so langsam einen Alltag gefunden, an das frühe Aufstehen (5.30 Uhr) müssen wir uns zwar noch gewöhnen, aber das schaffen wir auch noch….dann heißt es halt abends schneller das Licht ausmachen…

Dieses Wochenende war sehr entspannt…Kaffee und Kuchen mit einer brasilianischen Freundin, schlafen, spazieren gehen,… Nicht fehlen durfte natürlich der ARD Lifestream zur Bundesversammlung gestern.
Die neue Woche hat schon wieder angefangen und die Zeit rast. Diese Woche bin ich schon einen Monat hier- wo sind die ganzen Tage geblieben?
Ich hoffe Euch geht es allen gut und ihr genießt die ersten wärmenden Strahlen der Frühlingssonne!!

Saudades de vc 
Um abraço, sabeth

Sonntag, 11. März 2012




Das Hauptgebäude der UFPR

Rast am Wegesrand mit Rafa


Gleich sind wir da...

Der Wasserfall, der aus dem Himmel entspringt


Einfach schön....jede einzelen Wasserperle spiegelt das Licht der Sonne wieder

Ein fantastisches Schauspiel

Eine schönere Dusche gibt es nicht...


Einfach nur die Weite genießen...

Unser neues Zimmer

Márcia (Déboras Mama), Laura, Débora und ich

Woche Nr. 2 in Curitiba


Schon wieder ist eine Woche zu Ende gegangen. Die Zeit fliegt. Seit Mittwoch wohnen Laura und ich nun bei Rafael. Ein unglaublich liebenswerter und lustiger Brasilianer. Wir genießen die Zeit hier sehr, in unseren nun eigenen vier Wänden. Fernab von dem nervtötendem Lärm der vorbeifahrendem Busse im Zentrum, wohnen wir nun in einem zentrumsnahen wunderschönen Viertel (Batel), wo es einfach nur Spaß macht durch die Straßen zu laufen, vorbei an vielen Cafés, Kneipen und Restaurants. Vor dem Eintreten sollte man in diesem Viertel aber auf alle Fälle einen kurzen Blick auf die Preise der Speisekarte werfen, die oftmals unverschämt hoch sind, und die uns die Entscheidung erleichtern, lieber doch noch zwei Straßen weiter zu laufen um an ein günstigeres Mittagessen zu kommen. Apropos Mittagessen, das funktioniert hier oftmals nach Kilo. Das bedeutet man hat ein Riesenbüffet, und kann sich davon so viel oder wenig aufladen wie man möchte und zahlt dann pro 100 Gramm. Das tolle dabei ist, dass man dadurch dem ganzen fett triefenden Essen entgehen kann und Gemüse nach Gusto verzehren kann :)
Nun aber zu meiner Woche. Diese Woche stand mein erster Sprachkurs an. Im CELIN, dem Zentrum für Sprache und Interkulturalität der Universidade Federal do Paraná. Wir sind eine bunt gemischte Gruppe mit Studenten von überall auf der Welt und schon bei der Vorstellung wurde ich an ein Kulturraumkompetenzen Seminar zurück erinnert, an dem ich in Passau teilgenommen habe. Die Art sich vorzustellen unterscheidet sich extrem. Bilderbuchhaft stellten sich die Südkoreaner vor, extrem höflich, bezeugten ihren Dank für die Teilnahme und erklärten, was sie sich von dem Sprachkurs erhofften. Sehr delikat auch die Vorstellung eines Mitte fünfzigjährigen israelischen Arztes, der gleich hinter dem ersten Text eine rassistische Einstellung gegenüber der Arabischen Welt vermuten mochte, außerdem ein entspannter Schweizer, eine andere Deutsche, ein Finne und noch so einige andere interessante Menschen.
Am nächsten Tag sollte es spannend weitergehen. Mein erster Tag an der Uni stand bevor- mit einem Geographiekurs. Das Schicksal wollte es nicht anders und ich lernte Woody kennen. Woody ist eigentlich Professor Wolf-Dietrich Sahr aus Heidelberg und wird dieses Semester mein Geoprofessor sein. Er lebt seit 15 Jahren in Brasilien und ist aber bei den deutschen Geographen noch immer sehr aktiv. Da man hier ja per Du mit den Profs ist, blieb es als wir dann ins Deutsche wechselten, auch beim Du und er lud mich gleich mal auf einen Saft ein und dabei erfuhr ich, dass er sämtliche Passauer Geoprofessoren natürlich auch kennt.
Ob ich denn schon irgendetwas beim Werner oder beim Ernst belegt hätte? Ähm Stop: Werner?- Ah Professor Gamerith; Ernst?- Ah Professor Struck.
Ein schönes Erlebnis, zu erfahren, dass die Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden hier in Brasilien sehr viel geringer ist- ein sehr angenehmes Lernklima, das ich hier an meinem ersten Tag an der Uni erleben durfte.
Am Samstag ging es zusammen mit meinem Mitbewohner Rafael und zwei Freundinnen von ihm mit dem Auto raus aus Curitiba in Richtung Nordwesten. Nach einer 2-stündigen Autofahrt kamen wir schließlich an einem wunderschönen Ort an. Dem Buraco do Padre, einem einfach nur einzigartigen schönen Wasserfall, der gerade so aus dem Himmel zu stürzen schien. Dabei spiegelt sich in jeder einzelnen Wasserperle die Sonne wieder. Ein fantastisches Schauspiel, das mich erstarrt nach oben schauen ließ. Mit dem Wunsch dieses Schauspiel für immer in meinem Gedächtnis einzufangen.
Nach einem erfrischenden Bad ging es zum Picknick und dann von Moskitos verstochen noch einmal los- wir wollten den Ursprung des Wasserfalls finden. Das stellte sich aber als gar kein so einfaches Unterfangen heraus. Nach einem kurzen Aufstieg standen wir plötzlich an einem Abgrund. Von dem gegenüberliegenden Berg trennten uns 2 Meter und der eben genannte Abgrund. Doch es wäre nicht Brasilien, wenn dort nicht ein schmales Holzbrett gelegen hätte, dass Übergang verschaffen konnte. Während Rafa an dieser Stelle schon scheiterte, wagten wir drei Mädels den Weg über dieses Brett. Es würde sicherlich keinen deutschen Sicherheitstest bestehen, aber uns drei hielt es dann doch problemlos aus. Auf der anderen Seite angekommen ging es dann weiter den Berg hinauf, bis wir den Quellfluss des Wasserfalls erreichten. Ein tolles, einfach erfüllendes Erlebnis….
Zurück am Parkplatz warteten wieder die Moskitos auf uns und dazu noch mehrere brasilianische Familien die sich gegenseitig mit der Größe und der Lautstärke ihrer Musikboxen im Auto übertreffen wollten. Für uns blieb nur die Flucht nach vorn und wir fuhren wieder zurück in Richtung Curitiba. Dort angekommen ging es für mich am Abend schließlich noch mit einigen Freunden in eine Churrascaria. Fleisch pur möchte der ein oder andere denken. Aber es gibt ja auch noch das Büffet, extrem umfangreich und sehr ansprechend hergerichtet, mit allerlei Köstlichkeiten, die man auch als Nicht so großer Fleischesser verzehren kann. Außerdem lud das separate Sushibüffett zum Versuchen ein. Das Fleisch wird am Tisch serviert und dort dann frisch abgeschnitten und ist, soweit ich das beurteilen konnte, auch von guter Qualität. Ziemlich voll gegessen ging es dann schließlich wieder in Richtung zu Hause….
Wieder ist also eine Woche vorbei. So langsam pendelt sich auch ein Rhythmus ein und ich bin extrem gespannt was die kommende Woche mit sich bringen wird.

Até mais….
Sabeth

Sonntag, 4. März 2012

Dachterasse von unserem Hostal
Spieltisch auf dem Markt im Zentrum

Ecuadorianische Musiker in Curitiba

Leckereien auf dem Markt

Rua 15 de Novembro- die Einkaufsstraße

Eingang zu einem der vielen Parks



Chaos in unserem Zimmer

Mit Nájila am "Pferdebrunnen"

Nájila und ich im Shopping Mueller

As Meninas (die Mädelsgruppe aus dem Hostal)

com a minha laurinha

Theaterbesuch

Woche Nr. 1 in Curitiba


Ich melde mich wieder zurück, mit neu gewonnen Eindrücken aus Curitiba.
Seit letzter Woche Sonntag ist Laura, mit der ich zusammen in Passau studiere, nun hier mit von der Partie. Wir wohnen bis jetzt zum Übergang in einem Hostal im Zentrum von Curitiba. Es ist sehr einfach, ein bisschen chaotisch und ziemlich schmutzig, aber für das Erste reicht es vollkommen aus. Auch wenn wir uns abends manchmal wünschen, der Verkehr hier würde wenigstens Nachts stillstehen, die Leute würden ihr Autoradio wenigstens ein bisschen leiser stellen und die Matratzen wären doch ein bisschen besser, aber gut nach den ersten schlaflosen Nächten haben wir uns mittlerweile an die ständige Lautstärke gewöhnt. Geweckt werden wir dann am Morgen eben nicht von unserem Wecker, sondern von einem kleinen Proleten der sein Autoradio bis zum Anschlag aufgedreht hat.
Hier im Hostal angekommen haben wir gleich sehr liebe Leute kennen gelernt. Unter anderem einige Argentinierinnen und Nájila, die hier in Curitiba ein Praktikum macht und die uns gerade in den ersten Tagen sehr viel geholfen hat. In der vergangenen Woche haben wir sämtliche Fakultäten abgeklappert und uns zu den Kursen eingeschrieben. Die Professoren hier sind alle super nett, sympathisch und sehr freundlich. Hier duzt man alle und irgendwie ist alles ein bisschen familiärer.
Die Anmeldung und die Registrierung hier in Brasilien sind ein ganz schöne schrecklicher Papierkram So durften die berühmten Behördengänge natürlich nicht fehlen. Ich kann Euch diesbezüglich genau die Geschichten erzählen, die man wahrscheinlich in jedem Brasilienreiseführer finden wird. Die unendliche Bürokratie hier und die Begabung der Beamten einem die verschiedensten Informationen zu erteilen. Wir fragen fünf Leute und bekommen schließlich sieben Meinungen. Denn der Nebensitzer weiß es dann vielleicht doch noch besser. Aber das erfreuliche ist, dass wir den Papierkram mit viel Geduld und einem immer freundlichen Lächeln dann schließlich nach einigen Tagen doch bewältigt haben. Ansonsten haben wir ein bisschen die Stadt erkundet und uns mit dem berühmten „Shopping Mueller“ vertraut gemacht. Eine riesige Mall, wo man nach Lust und Laune einkaufen kann. Vielleicht sollte ich hier aber noch ein wichtiges Detail hinzufügen, denn außer Lust und Laune sollte man auf alle Fälle einen gut gefüllten Geldbeutel mitbringen. Es ist alles so unglaublich teuer hier und Laura und ich staunen jedes Mal wieder aufs Neue wer so viel Geld hat um in den Läden einzukaufen….Total irre.
Auf jeden Fall erwähnen sollte ich an dieser Stelle aber trotzdem den Schönheitssalon „Lady& Lords“. Wobei Schönheitssalon leicht untertrieben ist. Beim Eintreten hatten wir das Gefühl in irgendeinem amerikanischen Film gelandet zu sein. Eine riesige Schönheitsfabrik, mit Pfeilen die den Weg zu Maniküre, Pediküre, Haare, Make-up, etc. weisen und dazwischen wuseln lauter Frauen und einige Männer in weißen Anzügen durch, die Dich „schön“ machen. Einfach verrückt…. „Schönheit“ wird hier in Brasilien sowieso sehr groß geschrieben. Egal wie wenig Geld die Leute haben, die Nägel sollten auf alle Fälle lackiert sein und mindestens jede zweite Frau hier kann von sich sicherlich nicht behaupten, an ihr sei alles echt. Hier zahlt man gerne mal einige Tausend Reais um sich Implantate an den verschiedensten Körperstellen einsetzen zu lassen. Nicht zuletzt steht auf alle Produkten die man im Supermarkt bekommt dann wie ach so gesund diese seien. Auf der anderen Seite bekommen Kinder dann hier morgens zum Frühstück jedoch eine Cola mit einem in fett gebratenem Etwas. Apropos Essen, es ist hier wirklich unglaublich lecker, auch wenn für unseren Geschmack oftmals viel zu süß, und all diejenigen die mich vorgewarnt haben, haben Recht behalten. Laura und ich stellen schon unseren Fitnessplan auf um nicht zu sehr aus den Nähten zu gehen ;)
Da wir ja immer noch im Hostal wohnen sind wir schon die ganzen Tage über auf Zimmersuche. Dies hat sich aber als komplizierter herausgestellt als wir zu Anfang dachten. Die Mieten hier sind unglaublich hoch und die Lage spielt für uns natürlich eine nicht unerhebliche Rolle. Da die UFPR (Universidade Federal do Paraná) keine Campusuni ist müssen wir mit dem Bus durch die Stadt zwischen den unterschiedlichen Fakultäten hin und her fahren, was natürlich auch Zeit kostet. Übergangsweise haben wir ab nächste Woche Mittwoch jetzt aber erst einmal etwas.
Zum Schluss möchte ich Euch nun noch eine lustige Geschichte erzählen. Das wir hier auffallen, muss ich Euch wahrscheinlich nicht erzählen, obwohl viele Menschen hier sehr hell sind, was oftmals auf deren deutsche Wurzeln zurückzuführen ist, aber Laura mit ihren 1,80 und langen blonden Haaren fällt unweigerlich auf. Na ja, zumindest wurden wir dann am Freitag mal wieder angesprochen. Diesmal jedoch von einem netten Herren der uns zu einem Eis einladen wollte. Es war einfach zu göttlich. Er war der Erste der uns mit seinem Charme beeindrucken konnte. Nachdem er uns mit seinem Ausweis davon überzeugte, dass er vergangenen Monat seinen 100.Geburtstag gefeiert hatte, erzählte er uns von sich. Ob die Geschichten, die er uns von seinen 100 Frauen und seiner aktuell 37 Jährigen Freundinnen letztendlich stimmen oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Es war einfach schön einem so agilen und freundlichen Menschen zu begegnen, der alles andere widerspiegelt als so manch verbitterten Menschen denen man sonst so begegnet.
Heute war ich zusammen mit Laura auf einem tollen Markt, wo man alles bekommt was das Herz begehrt. Ganz besonders beliebt sind rosa Kissenbezüge, Tischdecken und alle Arten von Schmuck. Das ein oder andere schöne Stück lässt einen dann aber doch in Versuchung kommen.
Ursprünglich dachten Laura und ich ja die Uni würde die nun kommende Woche schon losgehen. Da diese Woche aber vor allem Einführungsveranstaltungen für die Erstsemester stattfinden, werde ich nur einen Geographiekurs und meinen Sprachkurs diese Woche belegen. Ich bin schon ganz schön gespannt…
Das war es erst einmal aus dem sonnigen Brasilien. Die letzten Tage war hier Sonne pur angesagt, davon schicke ich Euch hier jetzt auch gleich ein paar Strahlen…..
Até à próxima e um abraço

Eure Sabeth

Montag, 27. Februar 2012





Die ersten Eindrücke aus Curitiba von meinem Ausflug auf einen Markt zusammen mit Débora.....