Sonntag, 11. März 2012

Woche Nr. 2 in Curitiba


Schon wieder ist eine Woche zu Ende gegangen. Die Zeit fliegt. Seit Mittwoch wohnen Laura und ich nun bei Rafael. Ein unglaublich liebenswerter und lustiger Brasilianer. Wir genießen die Zeit hier sehr, in unseren nun eigenen vier Wänden. Fernab von dem nervtötendem Lärm der vorbeifahrendem Busse im Zentrum, wohnen wir nun in einem zentrumsnahen wunderschönen Viertel (Batel), wo es einfach nur Spaß macht durch die Straßen zu laufen, vorbei an vielen Cafés, Kneipen und Restaurants. Vor dem Eintreten sollte man in diesem Viertel aber auf alle Fälle einen kurzen Blick auf die Preise der Speisekarte werfen, die oftmals unverschämt hoch sind, und die uns die Entscheidung erleichtern, lieber doch noch zwei Straßen weiter zu laufen um an ein günstigeres Mittagessen zu kommen. Apropos Mittagessen, das funktioniert hier oftmals nach Kilo. Das bedeutet man hat ein Riesenbüffet, und kann sich davon so viel oder wenig aufladen wie man möchte und zahlt dann pro 100 Gramm. Das tolle dabei ist, dass man dadurch dem ganzen fett triefenden Essen entgehen kann und Gemüse nach Gusto verzehren kann :)
Nun aber zu meiner Woche. Diese Woche stand mein erster Sprachkurs an. Im CELIN, dem Zentrum für Sprache und Interkulturalität der Universidade Federal do Paraná. Wir sind eine bunt gemischte Gruppe mit Studenten von überall auf der Welt und schon bei der Vorstellung wurde ich an ein Kulturraumkompetenzen Seminar zurück erinnert, an dem ich in Passau teilgenommen habe. Die Art sich vorzustellen unterscheidet sich extrem. Bilderbuchhaft stellten sich die Südkoreaner vor, extrem höflich, bezeugten ihren Dank für die Teilnahme und erklärten, was sie sich von dem Sprachkurs erhofften. Sehr delikat auch die Vorstellung eines Mitte fünfzigjährigen israelischen Arztes, der gleich hinter dem ersten Text eine rassistische Einstellung gegenüber der Arabischen Welt vermuten mochte, außerdem ein entspannter Schweizer, eine andere Deutsche, ein Finne und noch so einige andere interessante Menschen.
Am nächsten Tag sollte es spannend weitergehen. Mein erster Tag an der Uni stand bevor- mit einem Geographiekurs. Das Schicksal wollte es nicht anders und ich lernte Woody kennen. Woody ist eigentlich Professor Wolf-Dietrich Sahr aus Heidelberg und wird dieses Semester mein Geoprofessor sein. Er lebt seit 15 Jahren in Brasilien und ist aber bei den deutschen Geographen noch immer sehr aktiv. Da man hier ja per Du mit den Profs ist, blieb es als wir dann ins Deutsche wechselten, auch beim Du und er lud mich gleich mal auf einen Saft ein und dabei erfuhr ich, dass er sämtliche Passauer Geoprofessoren natürlich auch kennt.
Ob ich denn schon irgendetwas beim Werner oder beim Ernst belegt hätte? Ähm Stop: Werner?- Ah Professor Gamerith; Ernst?- Ah Professor Struck.
Ein schönes Erlebnis, zu erfahren, dass die Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden hier in Brasilien sehr viel geringer ist- ein sehr angenehmes Lernklima, das ich hier an meinem ersten Tag an der Uni erleben durfte.
Am Samstag ging es zusammen mit meinem Mitbewohner Rafael und zwei Freundinnen von ihm mit dem Auto raus aus Curitiba in Richtung Nordwesten. Nach einer 2-stündigen Autofahrt kamen wir schließlich an einem wunderschönen Ort an. Dem Buraco do Padre, einem einfach nur einzigartigen schönen Wasserfall, der gerade so aus dem Himmel zu stürzen schien. Dabei spiegelt sich in jeder einzelnen Wasserperle die Sonne wieder. Ein fantastisches Schauspiel, das mich erstarrt nach oben schauen ließ. Mit dem Wunsch dieses Schauspiel für immer in meinem Gedächtnis einzufangen.
Nach einem erfrischenden Bad ging es zum Picknick und dann von Moskitos verstochen noch einmal los- wir wollten den Ursprung des Wasserfalls finden. Das stellte sich aber als gar kein so einfaches Unterfangen heraus. Nach einem kurzen Aufstieg standen wir plötzlich an einem Abgrund. Von dem gegenüberliegenden Berg trennten uns 2 Meter und der eben genannte Abgrund. Doch es wäre nicht Brasilien, wenn dort nicht ein schmales Holzbrett gelegen hätte, dass Übergang verschaffen konnte. Während Rafa an dieser Stelle schon scheiterte, wagten wir drei Mädels den Weg über dieses Brett. Es würde sicherlich keinen deutschen Sicherheitstest bestehen, aber uns drei hielt es dann doch problemlos aus. Auf der anderen Seite angekommen ging es dann weiter den Berg hinauf, bis wir den Quellfluss des Wasserfalls erreichten. Ein tolles, einfach erfüllendes Erlebnis….
Zurück am Parkplatz warteten wieder die Moskitos auf uns und dazu noch mehrere brasilianische Familien die sich gegenseitig mit der Größe und der Lautstärke ihrer Musikboxen im Auto übertreffen wollten. Für uns blieb nur die Flucht nach vorn und wir fuhren wieder zurück in Richtung Curitiba. Dort angekommen ging es für mich am Abend schließlich noch mit einigen Freunden in eine Churrascaria. Fleisch pur möchte der ein oder andere denken. Aber es gibt ja auch noch das Büffet, extrem umfangreich und sehr ansprechend hergerichtet, mit allerlei Köstlichkeiten, die man auch als Nicht so großer Fleischesser verzehren kann. Außerdem lud das separate Sushibüffett zum Versuchen ein. Das Fleisch wird am Tisch serviert und dort dann frisch abgeschnitten und ist, soweit ich das beurteilen konnte, auch von guter Qualität. Ziemlich voll gegessen ging es dann schließlich wieder in Richtung zu Hause….
Wieder ist also eine Woche vorbei. So langsam pendelt sich auch ein Rhythmus ein und ich bin extrem gespannt was die kommende Woche mit sich bringen wird.

Até mais….
Sabeth

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