Montag, 13. August 2012

Reise in den Süden Part 1: Montevideo



Am 30. Juli geht es los nach Uruguay. Eine kleine Odyssee.  Viel zu spät kommen wir am Flughafen in Curitiba an und statt so schnell wie möglich zum Gate zu kommen, müssen wir Laura noch ein Flugticket kaufen. Ihr Flug ging schon eine Stunde früher…in der ganzen Vorbereitungen hatten wir immer nur auf mein Ticket geschaut und waren davon ausgegangen, dass Sie auf denselben Flieger gebucht wurde. Es fand davor nämlich aufgrund des Zusammenbruchs der uruguayischen Fluggesellschaft PLUNA schon eine Umbuchung auf TAM statt. Glücklicherweise gibt es aber noch genug Plätze und nachdem wir dann schließlich zweimal ausgerufen werden schaffen wir es auch noch in das richtige Flugzeug nach São Paulo. Dort geht´s dann durch die Migration wo sich die nächste Hürde vor uns erbaut. Laut den Herren und Damen der Migrationsbehörde waren wir in Brasilien nie über unser Studentenvisum registriert, sondern nur als Touristen, aber schließlich können die netten Leute dann auch dieses Problem klären und wir sitzen endlich im Flieger nach Montevideo.

Dort kommen wir schließlich irgendwann nachts in dem super neuen Flughafen an und werden unglaublich herzlich von Cecilia, einer Freundin von uns mit der wir in Curitiba zusammen studiert haben und ihren Eltern empfangen. Sie machen mit uns gleich eine kleine Sightseeing Tour durch Montevideo bei Nacht. Es ist eisig kalt und Laura und ich schlafen mit dickem Pulli, Schal und Mütze.
Am nächsten Morgen schälen wir uns schließlich aus den Betten und machen eine Tour durch das historische Zentrum von Montevideo. Eine super schöne Stadt, die uns beide unglaublich an südeuropäische Städte, wie z.B. Rom erinnert. 





















Am nächsten Tag  nehmen wir an einer Führung durch den Regierungspalast teil. Ein unglaublicher Bau, mit einer grandiosen Architektur, entworfen durch einen italienischen Architekten.  Im Inneren eine riesige wunderschöne Marmorhalle, die in Farben leuchtet, dass man denken könnte der Steinboden wäre angemalt, dem keineswegs so ist, denn es ist durchweg Marmor, in den unterschiedlichsten Tönen.
















Am darauffolgenden Tag geht’s schließlich noch an den Strand von Montevideo, der im Sommer sicherlich unglaublich schön ist und von wo man gewiss einen wunderbaren Blick auf den Rio de La Plata werfen kann, diese bleibt uns aber verwehrt, da der Fluss von Nebel eingehüllt ist. Wir treffen schließlich noch Damian, einen Freund aus Freiburg, der gerade in der deutschen Botschaft in MV ein Praktikum macht.








Viel zu schnell geht unsere Zeit in Montevideo und mit Cecilia und ihren Eltern vorbei. Wir kommen gewiss noch einmal im Sommer um dann auch einen Abstecher in das mittlerweile weltweit bekannte Punta del Este zu machen, wo nicht nur Shakira, sondern sogar deutsche Vips wie Michael Schuhmacher ihr Ferienhäuschen haben.
Mit einer Fähre geht´s von Montevideo über den Rio de la Plata nach Buenos Aires….Da der Nebel anhält bekommen wir während der Fahrt von der Außenwelt nicht wirklich viel mit….

Reise in den Süden Part 2: Buenos Aires


Eine geniale Stadt. Grandios. Unglaublich. Wunderbar. Laura und ich verlieben uns sofort. Das Paris Lateinamerikas.
Das kühle nasse Wetter hält an, aber hier in Buenos Aires stört uns das gar nicht so sehr. In Buenos Aires angekommen fahren wir gleich zu Anna, einer Freundin aus Freiburg die hier ihr Auslandssemester macht und bei der wir die nächsten 10 Tage wohnen werden. Gemeinsam mit Isa wohnt sie in einer unglaublich schönen Altbauwohnung (mit Heizung, welch Luxus!!) mitten im Zentrum.
Nachdem wir am Abend schließlich erst noch bei Freunden von Anna und Isa sind, geht´s danach noch zum Tanzen und wir sind erst um 6 Uhr morgens zu Hause. Dies wird aber in den nächsten Tagen noch öfter vorkommen, da man hier auch frühestens ab 2 Uhr in die Clubs reingeht und dementsprechend spät, bzw. früh am nächsten Morgen wieder rauskommt. Am nächsten Mittag machen wir dann schließlich das erste Sightseeing, ums Eck ist der Nationalkongress und von dort die Avenida de Mayo entlang, über die 9 de Julio am Obelisk vorbei, in Richtung Regierungspalast. Von dort weiter an den neurenovierten Hafen, der mich in Teilen unglaublich an den Hamburger Hafen erinnert. Der erste Eindruck wird bestätigt: Eine geniale Stadt!






































Nach einer durchfeierten Nacht besteht unsere Tätigkeit am darauffolgenden Tag einzig und alleine aus einem Ausflug in ein kleines Restaurant zum Asado essen (Gegrilltes Fleisch). Das Steak und die Hähnchenschlägel sind essbar und wirklich lecker bei den Innereien und der Leber halten wir uns jedoch zurück. Ein interessantes Essen, danach wollen wir dann aber ein paar Tage erst mal kein Fleisch mehr sehen. In den nächsten Tagen haben Anna und Isa Uni und Laura und ich erkunden zu zweit die vielen schönen Ecken von Buenos Aires, den botanischen Garten, die Einkaufsstraßen,... Schließlich machen wir mit einem Doppeldeckertouristikbus eine Tour durch ganz Buenos Aires. Erster Stop ist das extrem touristisch erschlossene ehemalige Hafenviertel La Boca, wo man vor lauter Tangotänzern, von den man Bilder machen darf und als Diego Maradona verkleidetet Menschen gar nicht weiß wo man ein Bild schießen darf, ohne dafür 5 Pesos hinlegen zu müssen. Nach einem komplett überteuerten Gericht, das Laura und ich eigentlich gar nicht als Essen bezeichnen wollen, geht’s weiter in Richtung Hafen und von dort weiter in andere Stadtviertel. Auf dem Bus ist´s eisig kalt und wir kommen ziemlich verfroren wieder zu Hause bei Anna und Isa an. Am nächsten Tag scheint ganz wunderbar die Sonne und wir können die Bustour nochmal ein bisschen mehr genießen. Nach einem genial guten Mittagessen am Hafen mit der Sonne im Rücken wollen wir mit dem Bus weiterfahren. Das erweist sich jedoch als recht schwierig. Der Bus ist total überfüllt und wir müssen so schließlich, eingepfercht wie in einem Viehtransporter im Gepäckteil des Busses Platz nehmen. Zum Glück leert sich der Bus nach einigen Haltestellen ein bisschen und wir bekommen auch wieder an Deck einen Platz.















































Am nächsten Tag stehen Lauras und mein letzter gemeinsamer Tag vor der Tür, den wir natürlich noch einmal so richtig genießen wollen. Wir frühstücken in dem ältesten Café von Buenos Aires, welches 1858 gegründet wurde und früher ein Treffpunkt der Bohème und Intellektuellen war  und wo schon Persönlichkeiten wie Federico Garcia Lorca einen Kaffee zu sich genommen haben.  Es scheint so als wäre der Himmel auch traurig, dass unsere gemeinsame Reise durch Südamerika hier in Buenos Aires vorerst zu Ende geht. Es regnet, blitzt und donnert ohne Unterlass. Aber dies hält uns nicht davon ab gemeinsam mit Anna und Isa abends noch einmal gemeinsam tanzen zu gehen.






Dort werden wir als wir morgens um 6 Uhr aus dem Club rauskommen noch Zeugen von einer hässlichen Szene in der 4 glatzköpfige primitive Türsteher auf einen Mann einschlagen, der anscheinend den Spiegel eines Autos zertrümmert hat. Anstatt ihn aber nur festzuhalten halten sie ihn gegen einen Laternenpfahl und schlagen ihm in brutalster Weise ins Gesicht- niemand greift ein. Schrecklich. Vermutlich haben sie den ganzen Abend nur darauf gewartet auf jemand eindreschen zu können. Wir glauben das Ganze hat ein Ende als eine Polizeistreife vorbeifährt, dort steigt jedoch nur ein Polizist aus, der überhaupt nichts tut. Dem scheint das gerad ziemlich egal zu sein, dass die Türsteher den Mann zusammengeschlagen haben. Es scheint eher so als pinkele er sich vor Angst gleich in die Hose. Wie es dem Mann geht, der zusammengeschlagen wurde, interessiert hier niemanden. Die Polizei fährt einfach wieder weg und damit scheint für die das Problem gelöst zu sein. Wahrscheinlich sind sie sogar erleichtert darüber, dass jemand anderes für sie das Problem gelöst hat. Wir beide fühlen uns so unglaublich hilflos, da wir als Mädchen keine Chance haben irgendwie dazwischen zugehen und sind gleichzeitig unglaublich wütend über die Gleichgültigkeit der Polizei sowie der  darumstehenden Menschen, die so gar nicht eingegriffen haben.  Nicht zuletzt sehen wir uns mal wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass es so unglaubliche Holzköpfe gibt, die sinnlos ohne viel nachzudenken auf ein am Boden liegendes Opfer einschlagen, ohne Gefühl- einfach grausam. Menschenverachtend.
Nach dieses Szene sind wir nervlich komplett am Ende und froh als wir wieder zu Hause sind. Laura packt ihre Sachen und nach zwei Stunden Schlaf  fahren wir gemeinsam zum Flughafen. Strahlender Sonnenschein lässt uns die grausame Szene der vergangenen Nacht vergessen und wir genießen einen letzten gemeinsamen argentinischen Kaffee bevor es für Laura über Asunción zurück nach Curitiba geht. Fünf ½ Monate waren wir täglich zusammen, haben die letzten Nächte hier bei Anna auf einer 90cm Matratze geschlafen, haben uns oft als Schwestern ausgegeben und haben sogar manchmal das Gefühl, dass wir uns ähnlich sehen ;)
Allzu oft werden wir gefragt, ob wir uns denn nie in die Haare bekommen hätten und jedes Mal müssen wir die Menschen mit unserer Antwort überraschen. Nein. Kein einziges Mal. Wie das funktioniert. Keine Ahnung. Es funktioniert bei uns Beiden einfach.  Jetzt ohne sie,  fehlt einfach etwas. Das wohl wunderbarste an meinem Auslandssemester ist die Tatsache in diese Zeit eine so wunderbare Freundin gefunden zu haben.


Heute habe ich mich schließlich noch mit einer  Freundin getroffen und waren gemeinsam im botanischen Garten und in dem wunderschönen Viertel Palermo. Palermo erinnert mich ein bisschen an Berlin Prenzlauer Berg, viele kleine Restaurants und Bars, wunderschöne kleine Designerläden, die Preise natürlich weniger schön. Da macht das Spazierengehen durch die kleinen Straßen einfach nur Spaß.












Jetzt werde ich auch mal meinen Rucksack zusammen packen für meinen nächsten Stop: Asunción, Paraguay wo ich Gaby eine andere Freundin aus Curitiba wiedersehen werde.
Hasta luego…..