Eine geniale Stadt. Grandios. Unglaublich. Wunderbar. Laura und
ich verlieben uns sofort. Das Paris Lateinamerikas.
Das kühle nasse Wetter hält an, aber hier in Buenos Aires stört
uns das gar nicht so sehr. In Buenos Aires angekommen fahren wir gleich zu Anna,
einer Freundin aus Freiburg die hier ihr Auslandssemester macht und bei der wir
die nächsten 10 Tage wohnen werden. Gemeinsam mit Isa wohnt sie in einer
unglaublich schönen Altbauwohnung (mit Heizung, welch Luxus!!) mitten im
Zentrum.
Nachdem wir am Abend schließlich erst noch bei Freunden von
Anna und Isa sind, geht´s danach noch zum Tanzen und wir sind erst um 6 Uhr morgens
zu Hause. Dies wird aber in den nächsten Tagen noch öfter vorkommen, da man
hier auch frühestens ab 2 Uhr in die Clubs reingeht und dementsprechend spät,
bzw. früh am nächsten Morgen wieder rauskommt. Am nächsten Mittag machen wir
dann schließlich das erste Sightseeing, ums Eck ist der Nationalkongress und
von dort die Avenida de Mayo entlang, über die 9 de Julio am Obelisk vorbei, in
Richtung Regierungspalast. Von dort weiter an den neurenovierten Hafen, der
mich in Teilen unglaublich an den Hamburger Hafen erinnert. Der erste Eindruck
wird bestätigt: Eine geniale Stadt!
Nach einer durchfeierten Nacht besteht unsere Tätigkeit am
darauffolgenden Tag einzig und alleine aus einem Ausflug in ein kleines
Restaurant zum Asado essen (Gegrilltes Fleisch). Das Steak und die
Hähnchenschlägel sind essbar und wirklich lecker bei den Innereien und der
Leber halten wir uns jedoch zurück. Ein interessantes Essen, danach wollen wir
dann aber ein paar Tage erst mal kein Fleisch mehr sehen. In den nächsten Tagen
haben Anna und Isa Uni und Laura und ich erkunden zu zweit die vielen schönen
Ecken von Buenos Aires, den botanischen Garten, die Einkaufsstraßen,... Schließlich machen wir mit einem Doppeldeckertouristikbus
eine Tour durch ganz Buenos Aires. Erster Stop ist das extrem touristisch
erschlossene ehemalige Hafenviertel La Boca, wo man vor lauter Tangotänzern,
von den man Bilder machen darf und als Diego Maradona verkleidetet Menschen gar
nicht weiß wo man ein Bild schießen darf, ohne dafür 5 Pesos hinlegen zu
müssen. Nach einem komplett überteuerten Gericht, das Laura und ich eigentlich
gar nicht als Essen bezeichnen wollen, geht’s weiter in Richtung Hafen und von
dort weiter in andere Stadtviertel. Auf dem Bus ist´s eisig kalt und wir kommen
ziemlich verfroren wieder zu Hause bei Anna und Isa an. Am nächsten Tag scheint
ganz wunderbar die Sonne und wir können die Bustour nochmal ein bisschen mehr
genießen. Nach einem genial guten Mittagessen am Hafen mit der Sonne im Rücken
wollen wir mit dem Bus weiterfahren. Das erweist sich jedoch als recht
schwierig. Der Bus ist total überfüllt und wir müssen so schließlich,
eingepfercht wie in einem Viehtransporter im Gepäckteil des Busses Platz
nehmen. Zum Glück leert sich der Bus nach einigen Haltestellen ein bisschen und
wir bekommen auch wieder an Deck einen Platz.
Am nächsten Tag stehen Lauras und mein letzter gemeinsamer
Tag vor der Tür, den wir natürlich noch einmal so richtig genießen wollen. Wir
frühstücken in dem ältesten Café von Buenos Aires, welches 1858 gegründet wurde
und früher ein Treffpunkt der Bohème und Intellektuellen war und wo schon Persönlichkeiten wie Federico
Garcia Lorca einen Kaffee zu sich genommen haben. Es scheint so als wäre der Himmel auch
traurig, dass unsere gemeinsame Reise durch Südamerika hier in Buenos Aires
vorerst zu Ende geht. Es regnet, blitzt und donnert ohne Unterlass. Aber dies
hält uns nicht davon ab gemeinsam mit Anna und Isa abends noch einmal gemeinsam
tanzen zu gehen.
Dort werden wir als wir morgens um 6 Uhr aus dem Club rauskommen
noch Zeugen von einer hässlichen Szene in der 4 glatzköpfige primitive Türsteher
auf einen Mann einschlagen, der anscheinend den Spiegel eines Autos zertrümmert
hat. Anstatt ihn aber nur festzuhalten halten sie ihn gegen einen Laternenpfahl
und schlagen ihm in brutalster Weise ins Gesicht- niemand greift ein.
Schrecklich. Vermutlich haben sie den ganzen Abend nur darauf gewartet auf jemand
eindreschen zu können. Wir glauben das Ganze hat ein Ende als eine
Polizeistreife vorbeifährt, dort steigt jedoch nur ein Polizist aus, der überhaupt
nichts tut. Dem scheint das gerad ziemlich egal zu sein, dass die Türsteher den
Mann zusammengeschlagen haben. Es scheint eher so als pinkele er sich vor Angst
gleich in die Hose. Wie es dem Mann geht, der zusammengeschlagen wurde, interessiert
hier niemanden. Die Polizei fährt einfach wieder weg und damit scheint für die
das Problem gelöst zu sein. Wahrscheinlich sind sie sogar erleichtert darüber,
dass jemand anderes für sie das Problem gelöst hat. Wir beide fühlen uns so
unglaublich hilflos, da wir als Mädchen keine Chance haben irgendwie dazwischen
zugehen und sind gleichzeitig unglaublich wütend über die Gleichgültigkeit der
Polizei sowie der darumstehenden
Menschen, die so gar nicht eingegriffen haben.
Nicht zuletzt sehen wir uns mal wieder mit der Tatsache konfrontiert,
dass es so unglaubliche Holzköpfe gibt, die sinnlos ohne viel nachzudenken auf
ein am Boden liegendes Opfer einschlagen, ohne Gefühl- einfach grausam. Menschenverachtend.
Nach dieses Szene sind wir nervlich komplett am Ende und
froh als wir wieder zu Hause sind. Laura packt ihre Sachen und nach zwei
Stunden Schlaf fahren wir gemeinsam zum
Flughafen. Strahlender Sonnenschein lässt uns die grausame Szene der
vergangenen Nacht vergessen und wir genießen einen letzten gemeinsamen argentinischen
Kaffee bevor es für Laura über Asunción zurück nach Curitiba geht. Fünf ½ Monate
waren wir täglich zusammen, haben die letzten Nächte hier bei Anna auf einer
90cm Matratze geschlafen, haben uns oft als Schwestern ausgegeben und haben
sogar manchmal das Gefühl, dass wir uns ähnlich sehen ;)
Allzu oft werden wir gefragt, ob wir uns denn nie in die
Haare bekommen hätten und jedes Mal müssen wir die Menschen mit unserer Antwort
überraschen. Nein. Kein einziges Mal. Wie das funktioniert. Keine Ahnung. Es
funktioniert bei uns Beiden einfach. Jetzt
ohne sie, fehlt einfach etwas. Das wohl
wunderbarste an meinem Auslandssemester ist die Tatsache in diese Zeit eine so
wunderbare Freundin gefunden zu haben.
Heute habe ich mich schließlich noch mit einer Freundin getroffen und waren gemeinsam im botanischen Garten und in dem
wunderschönen Viertel Palermo. Palermo erinnert mich ein bisschen an Berlin
Prenzlauer Berg, viele kleine Restaurants und Bars, wunderschöne kleine
Designerläden, die Preise natürlich weniger schön. Da macht das Spazierengehen
durch die kleinen Straßen einfach nur Spaß.
Jetzt werde ich auch mal meinen Rucksack zusammen packen für
meinen nächsten Stop: Asunción, Paraguay wo ich Gaby eine andere Freundin aus Curitiba
wiedersehen werde.
Hasta luego…..

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