Salvador de Bahia
Unsere Reise beginnt in der Capital da Alegria (Hauptstadt der
Freude), Salvador, der
Landeshauptstadt von Bahia. Dort werden wir erwartet von mildem Wetter,
Sonnenschein, Palmen und Marcus und Rafa, bei denen in der Wohnung wir für die
nächsten sieben Tage bleiben werden.
In Salvador ist der Großteil der
Bewohner dunkelhäutig, diese Tatsache erinnert bis heute daran, dass Salvador
über mehrere Jahrhunderte der größte Sklavenhandelsplatz Brasiliens war. Diese
Wirklichkeit spiegelt sich heute auch in der afro-brasilianischen Kultur
wieder. Die allgegenwärtig ist, ob in Form von akrobatischen Capoeira
Vorstellungen oder in Form der in weiß gewandeten Baianas die auf der Straße
Acarajé garen (Bällchen aus braunen Bohnen, Wasser, Salz, Zwiebeln und
getrockneten Krabben, die in Dendê- Öl (Palmöl) gebraten werden).
Die ersten Tage sind zwar ein
bisschen regnerisch, es ist immerhin „Winter“, das hält uns jedoch nicht davon
ab die wunderschöne Alstadt, den Pelourinho von Salvador kennen zu lernen, der
im Jahre 1985 zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde.
Bis in die 80er Jahre von
Kriminalität, Drogenhandel und Rotlichtszenen geprägt hat es seit Beginn der
90er Jahre ein neues Gesicht bekommen und ist heute eins der größten
Tourismusmagnete Brasiliens.
Dort angekommen fanden wir
zwischen den viele historischen Gebäuden, oftmals bunt angemalt, alles was das
Souvenirherz begehrt. Von Schmuck, über Kleider bis hin zu Staubfängern, wobei
es von diesen durchaus viele schöne gibt. Doch die Tatsache, dass ich nur einen
Rucksack habe und noch zwei Monate Reisen bevor steht, hielt mich davon ab in
ein all zu großen Shoppingwahn zu verfallen. Nicht zu kurz kommen darf
natürlich der Besuch von verschiedenen Kolonialkirchen, einer der wichtigsten
ist die Igreja São Francisco, die über und über mit Gold verziert ist. Im
Kreuzgang sind die Wände mit einzigartigen Bildern aus blau-weißen Azulejos aus
dem 18. Jhd. bestückt. Die Restaurierungsarbeiten lassen nicht gerade auf
Professionalität der Restaurierer schließen, so sind einige der Fliesen einfach
komplett falsch eingesetzt und so wächst einem Heiligen dann plötzlich ein Baum
aus dem Kopf.
Salvador liegt an der Bucht Baia de todos os Santos
(Allerheiligenbucht). Dementsprechend gibt es auch einen tollen Stadtstrand, wo
unter anderem der älteste Leuchtturm Lateinamerikas steht. Die Promenade wird
von viele kleinen und großen Restaurants und Bars gesäumt. Im „Caranguejo“
gab´s dann unsere erste Moqueca. Eine Art Eintopf aus Krabben, Kokosmilch,
Palmöl und Tomaten. Dazu serviert wird Farofa (geröstetes Maniokmehl), Reis und
Vatapá, einer Creme aus gemahlenen Krabben und Nüssen, Kokosmilch und Dendê. Ein
typisches Beispiel für die Vermischung von afrikanischer und lokaler Küche.
Sehr lecker, da rücken für frau dann auch die mind. 1000 kcal, die mit dieser
Mahlzeit aufgenommen werden in den Hintergrund.
Am darauf folgenden Tag geht es
mit dem Tourismusbus durch die Stadt nach Ribeira wo wir ein Eis in der besten
Eisdiele Lateinamerikas essen, von dort geht es zu der berühmten
Wallfahrtskirche Igreja do Bomfim. Aus dem Bus raus, stürmen sofort 5 oder 6
Verkäufer auf uns zu, die uns die bunten Bändchen mit der Aufschrift „Lembrança
do Senhor do Bonfim da Bahia“ verkaufen wollen, diese Bändchen bindet man sich
dann ans Handgelenk. Dem Volksglauben nach hat man für jeden der drei Knoten
einen Wunsch frei, der in Erfüllung geht, sobald das Band von selbst abfällt.
Die nächsten Tage werden wir dann
von der Sonne verwöhnt und wir genießen sie, erst mit einer Bootstour zu zwei
Inseln in der Bucht und schließlich noch am wunderschönen etwas außerhalb von
der Stadt gelegenen Praia do Flamengo.
Schließlich bekommen wir noch
Besuch von einer Freundin, mit der ich gemeinsam den Sprachkurs in Curitiba
belegt hatte. Gemeinsam mit ihr geht es eines Abends in´s Pelourinho, wo wir
nur ein Bierchen trinken und dann bald auch wieder nach Hause fahren, da wir uns
nicht sonderlich sicher fühlen. Drei Mädels alleine, zwei davon Laura und ich,
die wie bunte Hunde auffallen, stellt sich nicht gerade als die beste
Zusammensetzung heraus. Wir fühlen uns wie in einem Streichelzoo, in dem wir
die Ziegen sind, die angetatscht werden. Nicht die schönste Erfahrung.
Eine weitere gruselige Geschichte
erleben wir auf einer der Busfahrten vom Strand nach Hause. Ein älterer Mann
unter Drogeneinfluss schlägt den Busfahrer, zu mindest so wie wir es mitbekommen,
und springt darauf hin aus dem Bus heraus. Der Fahrer lässt sich dies natürlich
nicht gefallen, stürmt ebenfalls aus dem Bus und jagt dem Mann hinterher. Der
Kassierer lässt nicht lange auf sich warten und rennt den beiden hinterher. Die
umstehenden Leute gaffen nur. Es geht alles ziemlich schnell und schließlich sind
sowohl Fahrer wie auch Kassierer wieder im Bus als etwas von außen gegen den
Bus knallt, alle Passagiere ducken sich herunter, aus Angst, dass der Typ auf
dem Bus schießen würde, oder mit Steinen dagegen wirft. Wir sind froh, als wir
endlich zu Hause ankommen.
Laura hat am 15. Juli Geburtstag
und wir machen uns nach einem schönen Geburtstagsfrühstück mit
Geburtstagsständchen auf vier Sprachen einen gemütlichen Tag am Strand von
Salvador. Da wir auch am Strand auffallen wie bunte Hunde flüchten wir fast an
ein ruhigeres Eckchen. Abends geht es noch in eine schöne Bar was trinken.
Viel zu schnell sind die Tage in
der Hauptstadt der Freude vorbei und wir machen uns mit dem Flugzeug auf in
Richtung Norden.

