Sonntag, 4. März 2012

Woche Nr. 1 in Curitiba


Ich melde mich wieder zurück, mit neu gewonnen Eindrücken aus Curitiba.
Seit letzter Woche Sonntag ist Laura, mit der ich zusammen in Passau studiere, nun hier mit von der Partie. Wir wohnen bis jetzt zum Übergang in einem Hostal im Zentrum von Curitiba. Es ist sehr einfach, ein bisschen chaotisch und ziemlich schmutzig, aber für das Erste reicht es vollkommen aus. Auch wenn wir uns abends manchmal wünschen, der Verkehr hier würde wenigstens Nachts stillstehen, die Leute würden ihr Autoradio wenigstens ein bisschen leiser stellen und die Matratzen wären doch ein bisschen besser, aber gut nach den ersten schlaflosen Nächten haben wir uns mittlerweile an die ständige Lautstärke gewöhnt. Geweckt werden wir dann am Morgen eben nicht von unserem Wecker, sondern von einem kleinen Proleten der sein Autoradio bis zum Anschlag aufgedreht hat.
Hier im Hostal angekommen haben wir gleich sehr liebe Leute kennen gelernt. Unter anderem einige Argentinierinnen und Nájila, die hier in Curitiba ein Praktikum macht und die uns gerade in den ersten Tagen sehr viel geholfen hat. In der vergangenen Woche haben wir sämtliche Fakultäten abgeklappert und uns zu den Kursen eingeschrieben. Die Professoren hier sind alle super nett, sympathisch und sehr freundlich. Hier duzt man alle und irgendwie ist alles ein bisschen familiärer.
Die Anmeldung und die Registrierung hier in Brasilien sind ein ganz schöne schrecklicher Papierkram So durften die berühmten Behördengänge natürlich nicht fehlen. Ich kann Euch diesbezüglich genau die Geschichten erzählen, die man wahrscheinlich in jedem Brasilienreiseführer finden wird. Die unendliche Bürokratie hier und die Begabung der Beamten einem die verschiedensten Informationen zu erteilen. Wir fragen fünf Leute und bekommen schließlich sieben Meinungen. Denn der Nebensitzer weiß es dann vielleicht doch noch besser. Aber das erfreuliche ist, dass wir den Papierkram mit viel Geduld und einem immer freundlichen Lächeln dann schließlich nach einigen Tagen doch bewältigt haben. Ansonsten haben wir ein bisschen die Stadt erkundet und uns mit dem berühmten „Shopping Mueller“ vertraut gemacht. Eine riesige Mall, wo man nach Lust und Laune einkaufen kann. Vielleicht sollte ich hier aber noch ein wichtiges Detail hinzufügen, denn außer Lust und Laune sollte man auf alle Fälle einen gut gefüllten Geldbeutel mitbringen. Es ist alles so unglaublich teuer hier und Laura und ich staunen jedes Mal wieder aufs Neue wer so viel Geld hat um in den Läden einzukaufen….Total irre.
Auf jeden Fall erwähnen sollte ich an dieser Stelle aber trotzdem den Schönheitssalon „Lady& Lords“. Wobei Schönheitssalon leicht untertrieben ist. Beim Eintreten hatten wir das Gefühl in irgendeinem amerikanischen Film gelandet zu sein. Eine riesige Schönheitsfabrik, mit Pfeilen die den Weg zu Maniküre, Pediküre, Haare, Make-up, etc. weisen und dazwischen wuseln lauter Frauen und einige Männer in weißen Anzügen durch, die Dich „schön“ machen. Einfach verrückt…. „Schönheit“ wird hier in Brasilien sowieso sehr groß geschrieben. Egal wie wenig Geld die Leute haben, die Nägel sollten auf alle Fälle lackiert sein und mindestens jede zweite Frau hier kann von sich sicherlich nicht behaupten, an ihr sei alles echt. Hier zahlt man gerne mal einige Tausend Reais um sich Implantate an den verschiedensten Körperstellen einsetzen zu lassen. Nicht zuletzt steht auf alle Produkten die man im Supermarkt bekommt dann wie ach so gesund diese seien. Auf der anderen Seite bekommen Kinder dann hier morgens zum Frühstück jedoch eine Cola mit einem in fett gebratenem Etwas. Apropos Essen, es ist hier wirklich unglaublich lecker, auch wenn für unseren Geschmack oftmals viel zu süß, und all diejenigen die mich vorgewarnt haben, haben Recht behalten. Laura und ich stellen schon unseren Fitnessplan auf um nicht zu sehr aus den Nähten zu gehen ;)
Da wir ja immer noch im Hostal wohnen sind wir schon die ganzen Tage über auf Zimmersuche. Dies hat sich aber als komplizierter herausgestellt als wir zu Anfang dachten. Die Mieten hier sind unglaublich hoch und die Lage spielt für uns natürlich eine nicht unerhebliche Rolle. Da die UFPR (Universidade Federal do Paraná) keine Campusuni ist müssen wir mit dem Bus durch die Stadt zwischen den unterschiedlichen Fakultäten hin und her fahren, was natürlich auch Zeit kostet. Übergangsweise haben wir ab nächste Woche Mittwoch jetzt aber erst einmal etwas.
Zum Schluss möchte ich Euch nun noch eine lustige Geschichte erzählen. Das wir hier auffallen, muss ich Euch wahrscheinlich nicht erzählen, obwohl viele Menschen hier sehr hell sind, was oftmals auf deren deutsche Wurzeln zurückzuführen ist, aber Laura mit ihren 1,80 und langen blonden Haaren fällt unweigerlich auf. Na ja, zumindest wurden wir dann am Freitag mal wieder angesprochen. Diesmal jedoch von einem netten Herren der uns zu einem Eis einladen wollte. Es war einfach zu göttlich. Er war der Erste der uns mit seinem Charme beeindrucken konnte. Nachdem er uns mit seinem Ausweis davon überzeugte, dass er vergangenen Monat seinen 100.Geburtstag gefeiert hatte, erzählte er uns von sich. Ob die Geschichten, die er uns von seinen 100 Frauen und seiner aktuell 37 Jährigen Freundinnen letztendlich stimmen oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Es war einfach schön einem so agilen und freundlichen Menschen zu begegnen, der alles andere widerspiegelt als so manch verbitterten Menschen denen man sonst so begegnet.
Heute war ich zusammen mit Laura auf einem tollen Markt, wo man alles bekommt was das Herz begehrt. Ganz besonders beliebt sind rosa Kissenbezüge, Tischdecken und alle Arten von Schmuck. Das ein oder andere schöne Stück lässt einen dann aber doch in Versuchung kommen.
Ursprünglich dachten Laura und ich ja die Uni würde die nun kommende Woche schon losgehen. Da diese Woche aber vor allem Einführungsveranstaltungen für die Erstsemester stattfinden, werde ich nur einen Geographiekurs und meinen Sprachkurs diese Woche belegen. Ich bin schon ganz schön gespannt…
Das war es erst einmal aus dem sonnigen Brasilien. Die letzten Tage war hier Sonne pur angesagt, davon schicke ich Euch hier jetzt auch gleich ein paar Strahlen…..
Até à próxima e um abraço

Eure Sabeth

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