Ich melde mich wieder zurück, mit neu gewonnen Eindrücken
aus Curitiba.
Seit letzter Woche Sonntag ist Laura, mit der ich zusammen
in Passau studiere, nun hier mit von der Partie. Wir wohnen bis jetzt zum
Übergang in einem Hostal im Zentrum von Curitiba. Es ist sehr einfach, ein
bisschen chaotisch und ziemlich schmutzig, aber für das Erste reicht es
vollkommen aus. Auch wenn wir uns abends manchmal wünschen, der Verkehr hier
würde wenigstens Nachts stillstehen, die Leute würden ihr Autoradio wenigstens
ein bisschen leiser stellen und die Matratzen wären doch ein bisschen besser,
aber gut nach den ersten schlaflosen Nächten haben wir uns mittlerweile an die
ständige Lautstärke gewöhnt. Geweckt werden wir dann am Morgen eben nicht von
unserem Wecker, sondern von einem kleinen Proleten der sein Autoradio bis zum
Anschlag aufgedreht hat.
Hier im Hostal angekommen haben wir gleich sehr liebe Leute
kennen gelernt. Unter anderem einige Argentinierinnen und Nájila, die hier in
Curitiba ein Praktikum macht und die uns gerade in den ersten Tagen sehr viel
geholfen hat. In der vergangenen Woche haben wir sämtliche Fakultäten
abgeklappert und uns zu den Kursen eingeschrieben. Die Professoren hier sind
alle super nett, sympathisch und sehr freundlich. Hier duzt man alle und
irgendwie ist alles ein bisschen familiärer.
Die Anmeldung und die Registrierung hier in Brasilien sind ein
ganz schöne schrecklicher Papierkram So durften die berühmten Behördengänge
natürlich nicht fehlen. Ich kann Euch diesbezüglich genau die Geschichten
erzählen, die man wahrscheinlich in jedem Brasilienreiseführer finden wird. Die
unendliche Bürokratie hier und die Begabung der Beamten einem die verschiedensten
Informationen zu erteilen. Wir fragen fünf Leute und bekommen schließlich sieben
Meinungen. Denn der Nebensitzer weiß es dann vielleicht doch noch besser. Aber
das erfreuliche ist, dass wir den Papierkram mit viel Geduld und einem immer
freundlichen Lächeln dann schließlich nach einigen Tagen doch bewältigt haben.
Ansonsten haben wir ein bisschen die Stadt erkundet und uns mit dem berühmten „Shopping
Mueller“ vertraut gemacht. Eine riesige Mall, wo man nach Lust und Laune
einkaufen kann. Vielleicht sollte ich hier aber noch ein wichtiges Detail
hinzufügen, denn außer Lust und Laune sollte man auf alle Fälle einen gut
gefüllten Geldbeutel mitbringen. Es ist alles so unglaublich teuer hier und
Laura und ich staunen jedes Mal wieder aufs Neue wer so viel Geld hat um in den
Läden einzukaufen….Total irre.
Auf jeden Fall erwähnen sollte ich an dieser Stelle aber
trotzdem den Schönheitssalon „Lady& Lords“. Wobei Schönheitssalon leicht
untertrieben ist. Beim Eintreten hatten wir das Gefühl in irgendeinem
amerikanischen Film gelandet zu sein. Eine riesige Schönheitsfabrik, mit
Pfeilen die den Weg zu Maniküre, Pediküre, Haare, Make-up, etc. weisen und
dazwischen wuseln lauter Frauen und einige Männer in weißen Anzügen durch, die
Dich „schön“ machen. Einfach verrückt…. „Schönheit“ wird hier in Brasilien
sowieso sehr groß geschrieben. Egal wie wenig Geld die Leute haben, die Nägel
sollten auf alle Fälle lackiert sein und mindestens jede zweite Frau hier kann
von sich sicherlich nicht behaupten, an ihr sei alles echt. Hier zahlt man
gerne mal einige Tausend Reais um sich Implantate an den verschiedensten
Körperstellen einsetzen zu lassen. Nicht zuletzt steht auf alle Produkten die
man im Supermarkt bekommt dann wie ach so gesund diese seien. Auf der anderen
Seite bekommen Kinder dann hier morgens zum Frühstück jedoch eine Cola mit einem
in fett gebratenem Etwas. Apropos Essen, es ist hier wirklich unglaublich
lecker, auch wenn für unseren Geschmack oftmals viel zu süß, und all diejenigen
die mich vorgewarnt haben, haben Recht behalten. Laura und ich stellen schon
unseren Fitnessplan auf um nicht zu sehr aus den Nähten zu gehen ;)
Da wir ja immer noch im Hostal wohnen sind wir schon die
ganzen Tage über auf Zimmersuche. Dies hat sich aber als komplizierter
herausgestellt als wir zu Anfang dachten. Die Mieten hier sind unglaublich hoch
und die Lage spielt für uns natürlich eine nicht unerhebliche Rolle. Da die
UFPR (Universidade Federal do Paraná) keine Campusuni ist müssen wir mit dem
Bus durch die Stadt zwischen den unterschiedlichen Fakultäten hin und her fahren,
was natürlich auch Zeit kostet. Übergangsweise haben wir ab nächste Woche
Mittwoch jetzt aber erst einmal etwas.
Zum Schluss möchte ich Euch nun noch eine lustige Geschichte
erzählen. Das wir hier auffallen, muss ich Euch wahrscheinlich nicht erzählen,
obwohl viele Menschen hier sehr hell sind, was oftmals auf deren deutsche
Wurzeln zurückzuführen ist, aber Laura mit ihren 1,80 und langen blonden Haaren
fällt unweigerlich auf. Na ja, zumindest wurden wir dann am Freitag mal wieder
angesprochen. Diesmal jedoch von einem netten Herren der uns zu einem Eis
einladen wollte. Es war einfach zu göttlich. Er war der Erste der uns mit
seinem Charme beeindrucken konnte. Nachdem er uns mit seinem Ausweis davon
überzeugte, dass er vergangenen Monat seinen 100.Geburtstag gefeiert hatte,
erzählte er uns von sich. Ob die Geschichten, die er uns von seinen 100 Frauen
und seiner aktuell 37 Jährigen Freundinnen letztendlich stimmen oder nicht,
spielt eigentlich keine Rolle. Es war einfach schön einem so agilen und
freundlichen Menschen zu begegnen, der alles andere widerspiegelt als so manch
verbitterten Menschen denen man sonst so begegnet.
Heute war ich zusammen mit Laura auf einem tollen Markt, wo
man alles bekommt was das Herz begehrt. Ganz besonders beliebt sind rosa
Kissenbezüge, Tischdecken und alle Arten von Schmuck. Das ein oder andere
schöne Stück lässt einen dann aber doch in Versuchung kommen.
Ursprünglich dachten Laura und ich ja die Uni würde die nun
kommende Woche schon losgehen. Da diese Woche aber vor allem
Einführungsveranstaltungen für die Erstsemester stattfinden, werde ich nur
einen Geographiekurs und meinen Sprachkurs diese Woche belegen. Ich bin schon
ganz schön gespannt…
Das war es erst einmal aus dem sonnigen Brasilien. Die
letzten Tage war hier Sonne pur angesagt, davon schicke ich Euch hier jetzt
auch gleich ein paar Strahlen…..
Até à próxima e um
abraço
Eure Sabeth
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