Freitag, 27. Juli 2012

Reise in den Nordosten Part 1: Salvador


Salvador de Bahia
Unsere Reise beginnt in der Capital da Alegria (Hauptstadt der Freude), Salvador, der Landeshauptstadt von Bahia. Dort werden wir erwartet von mildem Wetter, Sonnenschein, Palmen und Marcus und Rafa, bei denen in der Wohnung wir für die nächsten sieben Tage bleiben werden.
In Salvador ist der Großteil der Bewohner dunkelhäutig, diese Tatsache erinnert bis heute daran, dass Salvador über mehrere Jahrhunderte der größte Sklavenhandelsplatz Brasiliens war. Diese Wirklichkeit spiegelt sich heute auch in der afro-brasilianischen Kultur wieder. Die allgegenwärtig ist, ob in Form von akrobatischen Capoeira Vorstellungen oder in Form der in weiß gewandeten Baianas die auf der Straße Acarajé garen (Bällchen aus braunen Bohnen, Wasser, Salz, Zwiebeln und getrockneten Krabben, die in Dendê- Öl (Palmöl) gebraten werden).
Die ersten Tage sind zwar ein bisschen regnerisch, es ist immerhin „Winter“, das hält uns jedoch nicht davon ab die wunderschöne Alstadt, den Pelourinho von Salvador kennen zu lernen, der im Jahre 1985 zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde.
Bis in die 80er Jahre von Kriminalität, Drogenhandel und Rotlichtszenen geprägt hat es seit Beginn der 90er Jahre ein neues Gesicht bekommen und ist heute eins der größten Tourismusmagnete Brasiliens.
Dort angekommen fanden wir zwischen den viele historischen Gebäuden, oftmals bunt angemalt, alles was das Souvenirherz begehrt. Von Schmuck, über Kleider bis hin zu Staubfängern, wobei es von diesen durchaus viele schöne gibt. Doch die Tatsache, dass ich nur einen Rucksack habe und noch zwei Monate Reisen bevor steht, hielt mich davon ab in ein all zu großen Shoppingwahn zu verfallen. Nicht zu kurz kommen darf natürlich der Besuch von verschiedenen Kolonialkirchen, einer der wichtigsten ist die Igreja São Francisco, die über und über mit Gold verziert ist. Im Kreuzgang sind die Wände mit einzigartigen Bildern aus blau-weißen Azulejos aus dem 18. Jhd. bestückt. Die Restaurierungsarbeiten lassen nicht gerade auf Professionalität der Restaurierer schließen, so sind einige der Fliesen einfach komplett falsch eingesetzt und so wächst einem Heiligen dann plötzlich ein Baum aus dem Kopf.












Salvador liegt an der Bucht Baia de todos os Santos (Allerheiligenbucht). Dementsprechend gibt es auch einen tollen Stadtstrand, wo unter anderem der älteste Leuchtturm Lateinamerikas steht. Die Promenade wird von viele kleinen und großen Restaurants und Bars gesäumt. Im „Caranguejo“ gab´s dann unsere erste Moqueca. Eine Art Eintopf aus Krabben, Kokosmilch, Palmöl und Tomaten. Dazu serviert wird Farofa (geröstetes Maniokmehl), Reis und Vatapá, einer Creme aus gemahlenen Krabben und Nüssen, Kokosmilch und Dendê. Ein typisches Beispiel für die Vermischung von afrikanischer und lokaler Küche. Sehr lecker, da rücken für frau dann auch die mind. 1000 kcal, die mit dieser Mahlzeit aufgenommen werden in den Hintergrund.




Am darauf folgenden Tag geht es mit dem Tourismusbus durch die Stadt nach Ribeira wo wir ein Eis in der besten Eisdiele Lateinamerikas essen, von dort geht es zu der berühmten Wallfahrtskirche Igreja do Bomfim. Aus dem Bus raus, stürmen sofort 5 oder 6 Verkäufer auf uns zu, die uns die bunten Bändchen mit der Aufschrift „Lembrança do Senhor do Bonfim da Bahia“ verkaufen wollen, diese Bändchen bindet man sich dann ans Handgelenk. Dem Volksglauben nach hat man für jeden der drei Knoten einen Wunsch frei, der in Erfüllung geht, sobald das Band von selbst abfällt.












Die nächsten Tage werden wir dann von der Sonne verwöhnt und wir genießen sie, erst mit einer Bootstour zu zwei Inseln in der Bucht und schließlich noch am wunderschönen etwas außerhalb von der Stadt gelegenen Praia do Flamengo.
Schließlich bekommen wir noch Besuch von einer Freundin, mit der ich gemeinsam den Sprachkurs in Curitiba belegt hatte. Gemeinsam mit ihr geht es eines Abends in´s Pelourinho, wo wir nur ein Bierchen trinken und dann bald auch wieder nach Hause fahren, da wir uns nicht sonderlich sicher fühlen. Drei Mädels alleine, zwei davon Laura und ich, die wie bunte Hunde auffallen, stellt sich nicht gerade als die beste Zusammensetzung heraus. Wir fühlen uns wie in einem Streichelzoo, in dem wir die Ziegen sind, die angetatscht werden. Nicht die schönste Erfahrung.


















Eine weitere gruselige Geschichte erleben wir auf einer der Busfahrten vom Strand nach Hause. Ein älterer Mann unter Drogeneinfluss schlägt den Busfahrer, zu mindest so wie wir es mitbekommen, und springt darauf hin aus dem Bus heraus. Der Fahrer lässt sich dies natürlich nicht gefallen, stürmt ebenfalls aus dem Bus und jagt dem Mann hinterher. Der Kassierer lässt nicht lange auf sich warten und rennt den beiden hinterher. Die umstehenden Leute gaffen nur. Es geht alles ziemlich schnell und schließlich sind sowohl Fahrer wie auch Kassierer wieder im Bus als etwas von außen gegen den Bus knallt, alle Passagiere ducken sich herunter, aus Angst, dass der Typ auf dem Bus schießen würde, oder mit Steinen dagegen wirft. Wir sind froh, als wir endlich zu Hause ankommen.
Laura hat am 15. Juli Geburtstag und wir machen uns nach einem schönen Geburtstagsfrühstück mit Geburtstagsständchen auf vier Sprachen einen gemütlichen Tag am Strand von Salvador. Da wir auch am Strand auffallen wie bunte Hunde flüchten wir fast an ein ruhigeres Eckchen. Abends geht es noch in eine schöne Bar was trinken.
Viel zu schnell sind die Tage in der Hauptstadt der Freude vorbei und wir machen uns mit dem Flugzeug auf in Richtung Norden.