29. Juni- Der Juni geht zu Ende und damit nun auch das
Semester hier in Curitiba.
Die Prüfungen habe ich mit schönen Noten abgeschlossen und
nun sehe ich mich mit knapp vier (4 !!!) Monaten Ferien konfrontiert. Kaum zu
glauben. In diesem Monat habe ich so viel erlebt, dass ich am Besten einfach
mal chronologisch anfange zu erzähle.
CURITIBA- Stadt der Parks und Museen
Beginnen muss ich Ende Mai, denn da ging es mit einem grünen
Doppeldeckerbus, quer durch Curitiba, an allen Parks und wichtigen Einrichtungen
vorbei. Unter anderem am Bosque Alemão, wo
die Geschichte von Hänsel und Gretel an vielen verschieden Stationen erzählt
wird. Weiter ging es durch einen Park zu dem ukrainischen Denkmal der Stadt,
das zu Ehren der ukrainischen Einwanderer errichtet wurde und von dort dann zum
Mittagessen in das italienische Viertel Santa
Felicidade. Gestärkt mit hausgemachten Nudeln und Lasagne ging es dann in
den von Curitibanern stark frequentierten Parque
Barigüi an dem sich am Wochenende allerhand Menschen tummeln.
Gemeinsam mit Laura, habe ich es diesen Monat nun endlich auch geschafft
das Oscar Niemeyer Museum zu
besuchen. Oscar Niemeyer ist ein über Brasilien weltbekannter Architekt, der an
vielen wichtigen Bauten in Brasilien mitbeteiligt war. Im Museum war zu der Zeit
eine unglaublich tolle Ausstellung zur Kunst Brasiliens der vergangenen hundert
Jahre. Nach mehreren Stunden, in denen wir uns in dem Museum verloren, ging es
dann mit vielen neuen Eindrücken wieder zurück in die Realität und am nächsten
Tag für mich im Rahmen einer Geoexkursion in das Landesinnere von dem
Bundesstaat Paraná.
 |
| Im Bosque Alemão |
 |
| Das ukrainische Denkmal |
 |
| Santa Felicidade |
 |
| Parque Barigüi |
GEOEXKURSION PARANÁ- Europäische Einwanderer in Brasilien
Im Verlauf der Vorlesung (Geografia do Paraná) hatten wir uns neben den ganzen
geomorphologischen und klimatischen Grundlagen unter anderem mit den vielen
verschiedenen Immigrantengruppen auseinandergesetzt, die sich hier in Paraná
vor allem seit Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt haben. So ging es zuerst
nach Witmarsum, einer Siedlung von Mennonieten,
die bis heute Deutsch als Pflichtunterrichtsfach haben und dort sogar deutsches
Abitur machen können. Danach ging es dann durch einen kleinen Ort, der vor
allem von Russlanddeutschen geprägt worden ist und dann schließlich nach Castro. Die Stadtgeschichte von Castro
geht auf eine Zeit weit vor dem 19. Jahrhundert zurück. Sie hat ihren Ursprung
in der Zeit der Rohstoffgewinnung in den Minen von dem weiter nördlich
gelegenen Bundesstaat Minas Gerais,
von wo die portugiesische Krone im 17. und 18. Jahrhundert die Rohstoffe
ausbeutete.
Schließlich ging es dann noch zu einer ehemalig holländische
Kolonie, die sich in den letzten 100 Jahren auf Milchprodukte spezialisierten
und die vor einigen Jahren eine riesige Mühle gebaut haben. In einem kleinen
Museum fand ich viele Dinge wieder, die einem, wenn man an Holland denkt in den
Sinn kommen: Holländerrad, die niederländischen Holzschuhe,… Einfach total
abgedreht…mitten in Brasilien und doch so europäisch….
Übernachtet haben wir dann schließlich in Prudentopolis, einer kleinen Stadt, die
vor allem von ukrainischen Einwanderern geprägt ist. Dort besuchten wir dann am
nächsten Morgen eine ukrainische Messer- ein Erlebnis für sich. Die Messe ist
nicht mit einer römisch katholischen Messe zu vergleichen. Der Großteil der
Messe wird gesungen und so verfällt man dann nach einiger Zeit so halb in
Trance. Irgendwie ziemlich meditativ das Ganze und ein tolles Erlebnis.
Schließlich ging es dann noch weiter ins Landesinnere, immer
höher von wo wir am Nachmittag einen großartigen Blick über die weite
Landschaft Paranás werfen konnten. Eine wirklich tolle Exkursion, mit geballt
vielen Eindrücken eines touristisch nicht wirklich erschlossenen Teils
Brasiliens.
 |
| 3o Planalto von Paraná |
 |
| ukrainische Ostereier |
 |
| Die ukrainische Kirche |
 |
| Witmarsum- eine Mennonietenkoloie |
 |
| Ein Haus in Palmeira- Überbleibsel der russlanddeutschen Immigranten |
 |
| Stadtplatz von Castro |
 |
| Ponta Grossa |
 |
| Die Mühle in Castrolanda |
MORRETES- Städtchen im Litoral
In der darauf folgenden Woche ging es mit Laura und Jéssica,
einer Freundin aus unserem Personalwesenkurs nach Morretes, dem kleinen Ort, wo ich im April schon einmal war.
Diesmal ging es jedoch per Zug in Richtung Küste. Eine wunderschöne
dreistündige Fahrt, die uns trotz bedecktem Himmel unglaubliche Landschaften
vor Augen führte.
Dort angekommen ging es dann wieder zum Barreados essen, dem
traditionellen Essen der Region.
Mitte Juni standen uns dann die ganzen Klausuren bevor,
aufgrund derer wir dann für einige Zeit erstmal die Außenwelt vergaßen und an
unserem provisorischen Schreibtisch für die bevorstehenden Prüfungen lernten.
 |
| Auf dem Weg nach Morretes |
MINAS GERAIS- Reise in eine vergangene Zeit
Mit Abschluss der letzten Klausur ging es am 22. Juni für
mich dann schließlich per Flugzeug in den Bundesstaat Minas Gerais in dessen
Bundeshauptstadt Belo Horizonte. Dort
erwarteten mich sommerlich warme Temperaturen. Wunderbar, wenn ich an das
Wochenende davor in Curitiba zurückdenke wo wir in 3 Decken eingehüllt immer
noch zitternd in unserem Bett verbrachten. Untergekommen bin ich in Belo
Horizonte (von den Menschen dort liebevoll nur B-Aga genannt) bei einer sehr
lieben Couchsurferin. In ihrer Wohnung warteten zwei liebe Kätzchen und eine
weitere Couchsurferin, mit der es dann noch zu einem Bierchen in eine der
vielen Kneipen BH´s ging. Am Samstagmorgen machte ich dann eine kleine Tour
durch die Stadt, in der die Menschen so viel fröhlicher und freundlicher sind,
als hier in Curitiba- ein schönes Erlebnis!
Am Abend ging es dann mit dem Bus nach Mariana, einem kleinen Ort, 2 Stunden von BH entfernt. Dort wartete
eine Freundin aus Paraguay auf mich, die ich in Curitiba kennen gelernt habe.
Gemeinsam mit Gaby genoss ich am Abend noch den kolonialen Flair dieses
bezaubernden Fleckchen Erde. Kleine Gässchen, bunte Häuser, eine in Deutschland
produzierte 1700 durch die portugiesische Krone importierte Orgel in einer der
vielen Kirchen und schließlich ein bundesstaatstypisches Essen- ganz wunderbar.
Weiter führte meine Reise dann nach Ouro Preto, einem Barockstädtchen, dass ich ab dem ersten Moment
sofort in mein Herz schloss. Wunderschön!
Seit 1980 sogar Unesco- Weltkulturerbe verbrachten wir hier
die nächsten zwei Tage und ließen uns von den wunderschönen Kirchen, den
kleinen Sträßchen und den vielen wunderschönen bunten Häusern in eine andere
Zeit zurückversetzen. Sehr hügelig vertrieb uns der Muskelkater in den Waden
jedoch nicht die Lust noch mehr kennen zu lernen. Schließlich stärkten wir uns
zwischendurch mit traditionellem Gaumenschmaus: das beste Pão de Queijo,
wunderbare Schokolade und allerhand andere Leckereien. Übernachtet haben wir
dieses Mal in einer der vielen „Republicas“, Studenten- WG´s, von denen es in
Ouro Preto mehr als 400 gibt, und die allesamt in den letzten Jahr eine eigene Identität
kreiert haben. Einige von denen haben fast schon einen historischen Wert und
sind bis auf die Gründung der staatlichen Universität zurück zu verfolgen.
BELO HORIZONTE
 |
| Irgendwo zwischen Curitiba und Belo Horizonte |
 |
| Cidade administrativa (Architekt: Oscar Niemeyer) |
 |
| Wohngebäude in BH (Architekt: Oscar Niemeyer) |
MARIANA
 |
| Bahnhof von Mariana |
 |
| Kirchenorgel von Mariana |
 |
| Comida mineira |
 |
| Blick über Mariana |
 |
| Unsere Pousada |
OURO PRETO
 |
| Heiße Schokolade mit Zitronenlikör |
 |
| Eines der vielen Museen von Ouro Preto |
 |
| Blick über Ouro Preto |
 |
| Einer der vielen "Republicas" |
 |
| Comida mineira, die zweite |
 |
| Pão de queijo- das wohl Beste in ganz Brasilien |
Foz do Iguaçu- unbeschreiblich unglaublich bezaubernd
GRANDIOS
Mittags in Curitiba von Minas Gerais wieder angekommen,
ging es abends mit dem Bus ganz in den Westen Paranás. Nach Foz do Iguaçu, der Stadt an dessen Rand eines der 7 Naturweltwunder auf mich und drei
andere Austauschstudenten warteten. Am ersten Tag ging es bei sommerlich
warmen Temperaturen auf die brasilianische Seite, von wo einem vor allem das
Ausmaß der Wasserfälle vor Augen geführt wird…ich kann es irgendwie gar nicht
beschreiben, denn es ist einfach nur grandios…Übernachtet haben wir in einem
der schönsten, genialsten und gediegensten Hostals, die ich bis jetzt kennen
gelernt habe- Favela Chic Hostal. Das kann ich einfach jedem Backpacker nur ans
Herz legen und am Morgen wartet ein typisch britisches Frühstück mit Spiegelei,
Würstchen und Tomaten auf einen.
Am nächsten Tag ging es dann schließlich über die Grenze
nach Argentinien und von dort dann Mitten in die Wasserfälle hinein. Ich füllte
mich nicht von dieser Welt. Es wirkte alles so surreal, ein bisschen erinnerte
es uns alle an die Landschaften von Avatar- unbeschreiblich. Einen ganzen Tag
verbrachten wir dort. Da konnte nicht mal das Deutschlandspiel gegen Italien
meine Stimmung verderben. Am Abend ging es mit dem Bus dann auch schon wieder
zurück nach Curitiba wo ich heute Morgen um halb sechs müde, aber
überglücklich, bis ins Unendliche mit neuen Eindrücken gefüllt, wieder ankam.
 |
| mit Jueun, Kevin und Nick auf dem Weg zu den Wasserfällen |
 |
| Parque das Aves |
 |
| Favela Chic Hostal: Spanien-Portugal Halbfinale |
 |
| ARGENTNIEN :) |
 |
| Mit einem kleinen Zug geht´s zu der argentinischen Seite der Wasserfälle |
 |
| Eine ziemlich nasse Angelenheit |
 |
| Klitschnass aber glücklich :) |
Das war es erst mal wieder…In einer Woche geht´s für mich
und Laura in den Nordosten Brasiliens.
Sende Euch glückliche Grüße
Alles alles Liebe
Eure Sabeth Tara
super schön!!! erinnerungen werden wach! und das fernweh rührt sich auch wieder...wünsche euch beiden gaaanz viel spaß in bahia!! saudades de vcs amigas!!! mtos bjsss
AntwortenLöschenmein fröschli :)
Löschendem fernweh kann nachgeholfen werden...und den spaß in bahia werden wir sicherlich haben. denken dabei dann ganz fest an Dich :*
quaaaak saudades de vc
muitos beijos