Freitag, 29. Juni 2012

Juni 2012


29. Juni- Der Juni geht zu Ende und damit nun auch das Semester hier in Curitiba.
Die Prüfungen habe ich mit schönen Noten abgeschlossen und nun sehe ich mich mit knapp vier (4 !!!) Monaten Ferien konfrontiert. Kaum zu glauben. In diesem Monat habe ich so viel erlebt, dass ich am Besten einfach mal chronologisch anfange zu erzähle.

CURITIBA- Stadt der Parks und Museen

Beginnen muss ich Ende Mai, denn da ging es mit einem grünen Doppeldeckerbus, quer durch Curitiba, an allen Parks und wichtigen Einrichtungen vorbei. Unter anderem am Bosque Alemão, wo die Geschichte von Hänsel und Gretel an vielen verschieden Stationen erzählt wird. Weiter ging es durch einen Park zu dem ukrainischen Denkmal der Stadt, das zu Ehren der ukrainischen Einwanderer errichtet wurde und von dort dann zum Mittagessen in das italienische Viertel Santa Felicidade. Gestärkt mit hausgemachten Nudeln und Lasagne ging es dann in den von Curitibanern stark frequentierten Parque Barigüi an dem sich am Wochenende allerhand Menschen tummeln.
Gemeinsam mit Laura, habe ich es diesen Monat nun endlich auch geschafft das Oscar Niemeyer Museum zu besuchen. Oscar Niemeyer ist ein über Brasilien weltbekannter Architekt, der an vielen wichtigen Bauten in Brasilien mitbeteiligt war. Im Museum war zu der Zeit eine unglaublich tolle Ausstellung zur Kunst Brasiliens der vergangenen hundert Jahre. Nach mehreren Stunden, in denen wir uns in dem Museum verloren, ging es dann mit vielen neuen Eindrücken wieder zurück in die Realität und am nächsten Tag für mich im Rahmen einer Geoexkursion in das Landesinnere von dem Bundesstaat Paraná. 



Im Bosque Alemão




Das ukrainische Denkmal


Santa Felicidade

Parque Barigüi









GEOEXKURSION PARANÁ- Europäische Einwanderer in Brasilien

Im Verlauf der Vorlesung (Geografia do Paraná) hatten wir uns neben den ganzen geomorphologischen und klimatischen Grundlagen unter anderem mit den vielen verschiedenen Immigrantengruppen auseinandergesetzt, die sich hier in Paraná vor allem seit Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt haben. So ging es zuerst nach Witmarsum, einer Siedlung von Mennonieten, die bis heute Deutsch als Pflichtunterrichtsfach haben und dort sogar deutsches Abitur machen können. Danach ging es dann durch einen kleinen Ort, der vor allem von Russlanddeutschen geprägt worden ist und dann schließlich nach Castro. Die Stadtgeschichte von Castro geht auf eine Zeit weit vor dem 19. Jahrhundert zurück. Sie hat ihren Ursprung in der Zeit der Rohstoffgewinnung in den Minen von dem weiter nördlich gelegenen Bundesstaat Minas Gerais, von wo die portugiesische Krone im 17. und 18. Jahrhundert die Rohstoffe ausbeutete.
Schließlich ging es dann noch zu einer ehemalig holländische Kolonie, die sich in den letzten 100 Jahren auf Milchprodukte spezialisierten und die vor einigen Jahren eine riesige Mühle gebaut haben. In einem kleinen Museum fand ich viele Dinge wieder, die einem, wenn man an Holland denkt in den Sinn kommen: Holländerrad, die niederländischen Holzschuhe,… Einfach total abgedreht…mitten in Brasilien und doch so europäisch….
Übernachtet haben wir dann schließlich in Prudentopolis, einer kleinen Stadt, die vor allem von ukrainischen Einwanderern geprägt ist. Dort besuchten wir dann am nächsten Morgen eine ukrainische Messer- ein Erlebnis für sich. Die Messe ist nicht mit einer römisch katholischen Messe zu vergleichen. Der Großteil der Messe wird gesungen und so verfällt man dann nach einiger Zeit so halb in Trance. Irgendwie ziemlich meditativ das Ganze und ein tolles Erlebnis.
Schließlich ging es dann noch weiter ins Landesinnere, immer höher von wo wir am Nachmittag einen großartigen Blick über die weite Landschaft Paranás werfen konnten. Eine wirklich tolle Exkursion, mit geballt vielen Eindrücken eines touristisch nicht wirklich erschlossenen Teils Brasiliens.

3o Planalto von Paraná

ukrainische Ostereier




Die ukrainische Kirche


Witmarsum- eine Mennonietenkoloie

Ein Haus in Palmeira- Überbleibsel der russlanddeutschen Immigranten

Stadtplatz von Castro


Ponta Grossa




Die Mühle in Castrolanda






MORRETES- Städtchen im Litoral

In der darauf folgenden Woche ging es mit Laura und Jéssica, einer Freundin aus unserem Personalwesenkurs nach Morretes, dem kleinen Ort, wo ich im April schon einmal war. Diesmal ging es jedoch per Zug in Richtung Küste. Eine wunderschöne dreistündige Fahrt, die uns trotz bedecktem Himmel unglaubliche Landschaften vor Augen führte.
Dort angekommen ging es dann wieder zum Barreados essen, dem traditionellen Essen der Region.
Mitte Juni standen uns dann die ganzen Klausuren bevor, aufgrund derer wir dann für einige Zeit erstmal die Außenwelt vergaßen und an unserem provisorischen Schreibtisch für die bevorstehenden Prüfungen lernten.




Auf dem Weg nach Morretes












MINAS GERAIS- Reise in eine vergangene Zeit

Mit Abschluss der letzten Klausur ging es am 22. Juni für mich dann schließlich per Flugzeug in den Bundesstaat Minas Gerais in dessen Bundeshauptstadt Belo Horizonte. Dort erwarteten mich sommerlich warme Temperaturen. Wunderbar, wenn ich an das Wochenende davor in Curitiba zurückdenke wo wir in 3 Decken eingehüllt immer noch zitternd in unserem Bett verbrachten. Untergekommen bin ich in Belo Horizonte (von den Menschen dort liebevoll nur B-Aga genannt) bei einer sehr lieben Couchsurferin. In ihrer Wohnung warteten zwei liebe Kätzchen und eine weitere Couchsurferin, mit der es dann noch zu einem Bierchen in eine der vielen Kneipen BH´s ging. Am Samstagmorgen machte ich dann eine kleine Tour durch die Stadt, in der die Menschen so viel fröhlicher und freundlicher sind, als hier in Curitiba- ein schönes Erlebnis!
Am Abend ging es dann mit dem Bus nach Mariana, einem kleinen Ort, 2 Stunden von BH entfernt. Dort wartete eine Freundin aus Paraguay auf mich, die ich in Curitiba kennen gelernt habe. Gemeinsam mit Gaby genoss ich am Abend noch den kolonialen Flair dieses bezaubernden Fleckchen Erde. Kleine Gässchen, bunte Häuser, eine in Deutschland produzierte 1700 durch die portugiesische Krone importierte Orgel in einer der vielen Kirchen und schließlich ein bundesstaatstypisches Essen- ganz wunderbar.
Weiter führte meine Reise dann nach Ouro Preto, einem Barockstädtchen, dass ich ab dem ersten Moment sofort in mein Herz schloss. Wunderschön!
Seit 1980 sogar Unesco- Weltkulturerbe verbrachten wir hier die nächsten zwei Tage und ließen uns von den wunderschönen Kirchen, den kleinen Sträßchen und den vielen wunderschönen bunten Häusern in eine andere Zeit zurückversetzen. Sehr hügelig vertrieb uns der Muskelkater in den Waden jedoch nicht die Lust noch mehr kennen zu lernen. Schließlich stärkten wir uns zwischendurch mit traditionellem Gaumenschmaus: das beste Pão de Queijo, wunderbare Schokolade und allerhand andere Leckereien. Übernachtet haben wir dieses Mal in einer der vielen „Republicas“, Studenten- WG´s, von denen es in Ouro Preto mehr als 400 gibt, und die allesamt in den letzten Jahr eine eigene Identität kreiert haben. Einige von denen haben fast schon einen historischen Wert und sind bis auf die Gründung der staatlichen Universität zurück zu verfolgen.

BELO HORIZONTE
Irgendwo zwischen Curitiba und Belo Horizonte
Cidade administrativa (Architekt: Oscar Niemeyer)






Wohngebäude in BH (Architekt: Oscar Niemeyer)



 MARIANA




Bahnhof von Mariana



Kirchenorgel von Mariana




Comida mineira



Blick über Mariana


Unsere Pousada


 OURO PRETO


Heiße Schokolade mit Zitronenlikör

Eines der vielen Museen von Ouro Preto











Blick über Ouro Preto

Einer der vielen "Republicas"









Comida mineira, die zweite









Pão de queijo- das wohl Beste in ganz Brasilien






Foz do Iguaçu- unbeschreiblich unglaublich bezaubernd GRANDIOS

Mittags in Curitiba von Minas Gerais wieder angekommen, ging es abends mit dem Bus ganz in den Westen Paranás. Nach Foz do Iguaçu, der Stadt an dessen Rand eines der 7 Naturweltwunder auf mich und drei andere Austauschstudenten warteten. Am ersten Tag ging es bei sommerlich warmen Temperaturen auf die brasilianische Seite, von wo einem vor allem das Ausmaß der Wasserfälle vor Augen geführt wird…ich kann es irgendwie gar nicht beschreiben, denn es ist einfach nur grandios…Übernachtet haben wir in einem der schönsten, genialsten und gediegensten Hostals, die ich bis jetzt kennen gelernt habe- Favela Chic Hostal. Das kann ich einfach jedem Backpacker nur ans Herz legen und am Morgen wartet ein typisch britisches Frühstück mit Spiegelei, Würstchen und Tomaten auf einen.
Am nächsten Tag ging es dann schließlich über die Grenze nach Argentinien und von dort dann Mitten in die Wasserfälle hinein. Ich füllte mich nicht von dieser Welt. Es wirkte alles so surreal, ein bisschen erinnerte es uns alle an die Landschaften von Avatar- unbeschreiblich. Einen ganzen Tag verbrachten wir dort. Da konnte nicht mal das Deutschlandspiel gegen Italien meine Stimmung verderben. Am Abend ging es mit dem Bus dann auch schon wieder zurück nach Curitiba wo ich heute Morgen um halb sechs müde, aber überglücklich, bis ins Unendliche mit neuen Eindrücken gefüllt, wieder ankam.

mit Jueun, Kevin und Nick auf dem Weg zu den Wasserfällen












Parque das Aves

Favela Chic Hostal: Spanien-Portugal Halbfinale

ARGENTNIEN :)


Mit einem kleinen Zug geht´s zu der argentinischen Seite der Wasserfälle






Eine ziemlich nasse Angelenheit


Klitschnass aber glücklich :)




Das war es erst mal wieder…In einer Woche geht´s für mich und Laura in den Nordosten Brasiliens.

Sende Euch glückliche Grüße
Alles alles Liebe
Eure Sabeth Tara

2 Kommentare:

  1. super schön!!! erinnerungen werden wach! und das fernweh rührt sich auch wieder...wünsche euch beiden gaaanz viel spaß in bahia!! saudades de vcs amigas!!! mtos bjsss

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    1. mein fröschli :)
      dem fernweh kann nachgeholfen werden...und den spaß in bahia werden wir sicherlich haben. denken dabei dann ganz fest an Dich :*
      quaaaak saudades de vc
      muitos beijos

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